Das mit dem Lesen
Ein etwas längerer Kommentar, den ich im Zusammenhang eines Interviews von Markus Albers auf LinkedIn geschrieben habe.
Also ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich lese mehr denn je.
Ich arbeite Klienten und Kolleg:innen, die größtenteils in anderen Zeitzonen leben. Wir schreiben uns. Soll heißen, bei unserer Arbeitsweise ist die Verschriftlichung fest etabliert. Dementsprechend gibt es viel zu lesen.
Was ich von meinem Team sonst an Ergebnissen und Entwürfen erhalte, ist auch größtenteils etwas, das ich lesen muss - selten ist es rein visuell.
Dann stolpere ich hier noch auf LinkedIn, wo ich Markus Post lese, und das Interview selbst etwas später, weil ich das auf mein Leseliste gesetzt hatte. (Aktuell löse ich das mit karakeep.app)
Im Grunde lese und schreibe ich die meiste Zeit.
Das ist für mich der Grundbeat als digitaler Wissensarbeiter. Meetings sind die Ausnahme. Ein Treffen zum Mittagessen oder Kaffee eine willkommene Ausnahme.
Für mich ergibt sich eine Pyramiden-ähnliche Verteilung.
- Unten ist ganz viel Nachrichten oder Post.
- Dann etas weniger Artikel oder Gespräche/Interviews
- Noch weniger Paper oder ähnlich verdichtetes Wissen
- Zu wenig: Bücher von mehreren hundert Seiten
Zusatz
Für mich ist Lust zu Lesen gar nicht so das Problem. Zeit, oder eher der Platz, den das in der Aufmerksamkeit einnimmt, schon eher. Aber das hat gar nicht primär mit dem Medium zu tun. Ich komme ja schon äußerst selten dazu, einen Spielfilm in ganzer Länger zu sehen.
Eigentlich ist die tägliche Informationsflut in den meisten Fällen nicht zu bewältigen. Ich scheitere quasi immer. Die Frage ist nur, ob ich knapp oder haushoch verliere.
Gezieltes oder kalkuliertes Ignorieren ist am Ende des Tages wirksamer als das Aufrüsten bei der Informationsverarbeitung.
Soll heißen: wenn wir jetzt denken, wir könnten einfach alles mit Sprachmodellen vorab zusammenfassen und verkürzen, ist das Unsinn. Zum einen funktioniert das schlicht technisch nicht verlässlich, und zum anderen ist dann alles der gleiche Stil und Einheitsbrei. Soylent zum Lesen, oder Vorlesen lassen.
Außerdem müssen wir nicht nur lesen, sondern auch das Gelesene verarbeiten. Ein bisschen Zeit zum Denken sollte man daher im Kalender freilassen.